Biografie
Lino Sabattini (1925-2016) gilt als einer der Wegbereiter des modernen italienischen Silberdesigns – ein Autodidakt, der aus handwerklicher Demut und ästhetischer Neugier eine unverwechselbare künstlerische Stimme formte.
Ohne akademische Ausbildung entwickelte er eine eigenständige, zugleich poetische wie funktionale Formensprache, die traditionelle Handwerkskunst mit moderner Ästhetik verbindet. Schon als Jugendlicher entdeckte Sabattini zufällig eine Ausgabe der Zeitschrift Domus von Gio Ponti; diese wurde für ihn zu einer der wichtigsten Inspirationsquellen. In einer kleinen Messingwerkstatt in Como verdiente er zunächst seinen Lebensunterhalt, lernte jedoch zugleich die Grundlagen des Handwerks. Dort fertigte er seine ersten eigenen Entwürfe an – einfache, aber mutige Objekte aus Metall.
Um 1950 zog Sabattini nach Mailand, wo er eine kleine Werkstatt eröffnete und den Kontakt zu Domus suchte. Bald lernte er auch Gio Ponti persönlich kennen. Ponti erkannte das Talent des jungen Sabattini und förderte ihn, was zu einer langjährigen Freundschaft und kreativen Zusammenarbeit führte.
Sabattinis Arbeiten erschienen auf internationalen Ausstellungen wie der Mailänder Triennale und der Biennale von Venedig und wurden in renommierten Designzeitschriften weltweit veröffentlicht. In den späten 1950er-Jahren arbeitete Sabattini in Paris und Mailand für verschiedene Unternehmen, bevor er 1964 nach Bregnano (Como) zurückkehrte, um seine eigene Werkstatt zu gründen: Argenteria Sabattini. Dort vereinte er traditionelle Handwerkskunst mit industrieller Präzision. Seine Werkstatt wurde zu einer Gemeinschaft kreativer Kunsthandwerker, die in einem offenen Dialog entwickelten und experimentierten.
Unter seinen bekanntesten Entwürfen finden sich Bestecke, Vasen und Schalen, die durch klare Linien, organische Geometrie und spielerische Eleganz bestechen. Sabattinis Karriere kulminierte in seiner Zusammenarbeit mit Marken wie Christofle, wo er den Übergang von klassischer zu moderner Tischkultur entscheidend mitgestaltete.
Trotz internationalen Ruhms blieb er seiner Herkunft treu: ein stiller Beobachter, der in der Natur, den Bergen und im einfachen Leben seine Inspiration fand. Er lebte zurückgezogen in einem von ihm entworfenen Haus in der Nähe seiner Werkstatt.