Biografie

Rupprecht Geiger (1908–2009) war ein deutscher Architekt, abstrakter Maler und Bildhauer und zählt zu den wichtigsten Vertretern der gegenstandslosen Malerei und Farbfeldmalerei in Deutschland nach 1945. Sein Werk kreist konsequent um das Thema Farbe, die er als autonomen, geistig wirksamen Wert verstand, losgelöst von jeder gegenständlichen Darstellung.


Geiger wurde am 26. Januar 1908 in München als Sohn des Malers und Grafikers Willi Geiger geboren. Nach einem Aufenthalt der Familie in Madrid (1923–1925) studierte er von 1926 bis 1929 Architektur an der Kunstgewerbeschule München und setzte seine Ausbildung bis 1935 an der Staatsbauschule fort. In den 1930er Jahren arbeitete er in verschiedenen Münchner Architekturbüros, unter anderem bei Oswald Eduard Bieber. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Geiger an der Ostfront eingesetzt und war zeitweise als Kriegsmaler in der Ukraine und in Griechenland tätig, betrieb jedoch parallel ein autodidaktisches Studium der Malerei. 1949 gehörte er zu den Mitbegründern der Künstlergruppe ZEN 49, die sich für die Etablierung abstrakter Kunst im Nachkriegsdeutschland einsetzte.


Geigers Œuvre ist von einer radikalen Konzentration auf Farbe geprägt, die er von der Form emanzipieren wollte. Bereits Ende der 1940er Jahre experimentierte er mit unregelmäßig geformten Leinwänden („shaped canvases“). Charakteristisch sind einfache geometrische Grundformen sowie leuchtende, teils fluoreszierende Farbflächen mit starken Kontrasten. Parallel arbeitete Geiger bis Anfang der 1960er Jahre als selbstständiger Architekt, häufig gemeinsam mit seiner Frau Monika Geiger.


Seit den 1950er Jahren stand besonders die Farbe Rot im Zentrum seines Werks, der er existenzielle und emotionale Bedeutung zuschrieb. Ein prägendes Erlebnis war die Verwendung eines Lippenstifts aus einem Care-Paket nach dem Krieg, der seine Faszination für ein strahlendes, körperloses Rot auslöste. Ab 1962 entwickelte Geiger zunehmend monochrome Farbfelder. Ab 1965 setzte er fluoreszierende Acrylfarben mit der Spritzpistole ein, wodurch seine Bilder eine nahezu immaterielle Leuchtwirkung erhielten.


1962 gab Geiger seine Architektentätigkeit auf und widmete sich ausschließlich der Malerei. Von 1965 bis 1976 war er Professor an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Er war Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und wurde 1970 in die Akademie der Künste Berlin berufen. 1976 entstand in München-Solln ein Atelier, das später zum Sitz des Archiv Geiger wurde. Dort schuf er viele seiner späten Arbeiten.

Rupprecht Geiger verstarb am 6. Dezember 2009 in München. Er gilt heute als zentrale Figur der deutschen Nachkriegsabstraktion, deren leuchtende Farbfelder die Auseinandersetzung mit Farbe, Licht und Raum nachhaltig geprägt haben.


Objekte von Rupprecht Geiger