Los: 322

Georg Heinrich Kührner (1875 - 1949)
'Karl May', ca. 1912

Mischtechnik auf Papier. 63 x 44,5 cm. Unten links betitelt: Karl May (Kohle), unten rechts signiert: GH. Kührner (Kreide). Unter Glas im Passepartout gerahmt und so beschrieben.


Provenienz: Nachlass der Industriellen und Olympiasiegerin im Dressurreiten Gabriela Grillo.

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Zuschlag: 2.000 €

K-16B - AUKTION Teil 2
15. November 2025 um 11:00 MEZ

Literatur:

Der österreichische Maler und Illustrator Georg Heinrich Kührner war ein glühender Verehrer Karl Mays. Der Schriftsteller hatte Wien zwischen 1898 und 1912 mehrmals längere Zeit im Rahmen von Vortragsreisen besucht. Es ist zu vermuten, daß die vorliegende Porträtskizze während des letzten Wien Aufenthalts Karl Mays im Jahr 1912 in Kührners Atelier entstand. So weiss der Maler in einem Artikel den er 1921 anlässlich des 79. Geburtstags Karl Mays unter dem Titel "Karl May im lebenden Bilde" veröffentlichte rückblickend zu berichten, daß ihm der Schriftsteller Jahre vorher in seinem Wiener Atelier zu einer für eine Radierung geplanten Porträtskizze Modell saß. Kührner, der bei Völkerschauen in Wien regelmäßig Menschen und Tiere studierte, hatte sich seinerzeit bereits einen Namen als Maler von Wild-West Motiven gemacht und verfolgte insgeheim das Ziel auch Illustrationen für Karl Mays Romane zu liefern. So schreibt Kührner .. : "Während der unvergesslich schönen Stunden unseres Zusammensein war der Gesprächsstoff ein äußerst mannigfaltiger, wobei ich aber wiederholt auf des Dichters Werk zurück kam. Als wir einmal über die vollkommen restlose Übermittlung des Vorstellungskomplexes des Autors auf den Leser sprachen, meinte der Dichter: "Ja, wenn nur die Worte auch gleichzeitig bildliche Gestalt hätten, aber ich kenne leider nur ganz wenige Bücher, wo man Wort und Begleitbilder wirklich eins nennen könnte. Es ist auch ganz erklärlich, "fuhr er dann fort", jeder Künstler hat ja seine eigene Empfindungswelt und Vorstellung und vollkommene Kongruenz gibt es eben nicht. "Trotz dieser ziemlich präzisen Feststellung drängte sich mir ein alter Herzenswunsch auf die Lippen, den ich aber nicht auszusprechen wagte. Holte dafür aber, kurz entschlossen, eine meiner Mappen herbei, aus deren Inhalt ich May diverse Naturstudienentwürfe und Radierungen von Indianern, Cowboys, ein Reiterbildnis meines Gönners Obersten Cody (Buffalo Bill) und noch andere Wild West-Darstellungen vorlegte, die dem Dichter derart gefielen, daß ich Courage bekam und nun mit der Frage losrückte. Mein lang gehegter Wunsch fand Gehör; es wurde beschlossen, daß ich bei der nächsten Neuauflage versuchen kann "Winnetou" und "Oldschatterhand" zu illustrieren. Leider blieb dies unerfüllte Freude und Hoffnung. Karl May ist früher heimgegangen in jenes Reich, dem er uns in seinen von lauterer Lyrik durchwehten "Himmelsgedanken" so ungemein erhebend und stimmungsvoll näherbringen wollte." (Georg Heinrich Kührner: "Karl May im lebenden Bilde. Zu seinem 79. Geburtstage am 25. Februar 1921", in: Deutsches Volksblatt, Morgen-Ausgabe, Wien, 33. Jahrgang, Nr. 11540, 24.02.1921, S. 1+2.)